Rangoon

Nicht, was man erwartet hätte. Dieser Meinung war ein jeder der Max Prosas zweites Album “Rangoon” im Jahr 2013 das erste Mal hörte. Es erschien kaum ein Jahr nach “Die Phantasie wird siegen” und war doch ganz anders. Aus dem verspielten und verträumten Folk des Erstlingswerks war ein wuchtiger, zu teilen düsterer aber immer hoffnungsvoller und sehr eigener Sound mit trotzigem Sänger geworden, der der Welt den Spiegel vorhält.

 

“Alle wollten ein Die Phantasie wird siegen 2.0. Es wäre folgerichtig gewesen, wenigstens unter wirtschaftlichen Aspekten. Ich wusste aber von Anfang an dass es das nicht geben wird und dass ich gar nicht anders kann, als mich zu verändern und damit auch die Lieder die ich schreibe.”

 

Lässt man sich auf “Rangoon” ein, wird man dort sehr reich beschenkt. Es ist ein Sound der seinesgleichen sucht. “Charlie” und “Chaossohn” sind zwei Abrechnungen mit dem Establishment, den ewig halsstarren Mächtigen die "nach Liebe hungern und den kreuzigen, der sie lebt." Von Goethe bis Wilhelm Reich gibt es viele Einflüsse und Querverweise. Auf dem Album erscheint auch die erste offizielle Version von Leonard Cohens “Halleluja”, übersetzt von Misha Schoeneberg.

 

“Es war glaube ich mein zwanzigster Geburtstag, an dem Misha mir dieses deutsche Halleluja mitbrachte. Unter den Gästen waren natürlich viele Musiker, irgendwann hatte jeder ein Instrument in der Hand, ein paar Mikrofone wurden aufgestellt und die Bandmaschine in der Ecke angeworfen. Es wurde eine sehr charmante und rumpelte Aufnahme. Angeblich war es aber die erste und einzige Version, die Mr. Cohens Einverständnis bekam. Er schrieb mir sogar selber noch eine kleine Notiz ins Booklet der CD, die wir ihm schickten: "Thanks for singing it.””

 

Der Sound von “Rangoon” überdauert die Zeit, wenn auch der kommerzielle Erfolg nicht an das Debut anknüpfen kann. Das war auch nicht der Plan. “Unser Erbe wiegt tausend Jahre schwer / der Plastikmüll treibt als Mahnmal im Meer” Was 2013 vielleicht einigen noch übertrieben vorkam ist längst aktuell wie nie. Macht euch auf, Gute Reise nach Rangoon!